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Ford-Anzüge machen schwanger, alt oder betrunken

Von Axel Keldenich

Aachen/Köln, 31.03.2014. In der „Kleiderkammer“ der Ford-Entwickler hängt seit Jüngstem ein völlig neuer Anzug. Dieser von Ford gemeinsam mit dem in Saarbrücken ansässigen Meyer-Hentschel Institut entwickelte „Drink-Driving-Suit“ komplettiert die speziellen Hilfsmittel der Ingenieure, mit deren Hilfe sie sich in die Sorgen und Probleme spezieller Kundenschichten einfühlen und deren Bedürfnissen entsprechen können. Darüber hinaus dient das neue Teil noch einem anderen Zweck. Es soll jungen Leuten die Gefahren des Autofahrens unter Alkoholeinwirkung verdeutlichen.  

Eine von Ford in Auftrag gegebene Studie ergab, dass mehr als die Hälfte aller jungen Autofahrer in Europa sich schon mindestens ein Mal unter Alkoholeinfluss hinter das Steuer gesetzt oder zumindest Freunde gesehen haben, die vor Fahrtantritt Alkohol konsumiert hatten. Unter dem Motto „Vorfahrt für Deine Zukunft“ führte Ford deshalb im vergangenen Jahr ein kostenloses Sicherheitsfahrtraining für junge Autofahrer ein.

Brille sorgt für Sehstörungen

Der Trunkenheitsanzug wird nun ein eindrucksvolles Mittel sein, um die Gefahren von Alkoholeinfluss deutlich zu machen. Gewichtsmanschetten und spezielle Polsterungen an Ellenbogen, Hals und Knien verlangsamen Reflexe und Reaktionszeiten der Probanden und machen ihnen selbst einfache Aufgaben wie etwa auf einer geraden Linie zu gehen spürbar schwieriger. Angefangen beim Anheben einer Tasse bis hin zum Wählen einer Telefonnummer vermittelt der Anzug einen absolut realistischen Eindruck davon, was alles beim Fahren unter übermäßigem Alkoholeinfluss passieren könnte. Eine entsprechende Brille sorgt für Sehstörungen, und Kopfhörer beeinträchtigen zudem das Gehör.

Bereits seit 1994 ist der Altersanzug bei Ford im Einsatz. Er wäre also in einem Privathaushalt längst ein Fall für die Altkleidersammlung. Nicht so bei den Fachleuten, die dieses wichtige Hilfsmittel gerade wieder einmal nach den jüngsten Erkenntnissen aus der Altersforschung perfektioniert haben. Dank integrierter Bandagen, Schweller oder Gummikissen vermittelt er hautnah alle kleinen und größeren Einschränkungen, die das Alter bringt. Dazu zählen nachlassende Hörfähigkeit, zunehmende Fuß-Hebeschwäche und generell nachlassende Muskelkraft. Zu den jüngsten technischen Hilfsmitteln gehört ein Tremor-Generator für die Hände, mit dessen Hilfe das Zittern beim Greifen in unterschiedlicher Stärke erzeugt wird. Außerdem können rund 40 Brillen die verschiedensten Sehstörungen simulieren.

Sozusagen einen Bügel nebenan hängt ein weiterer Anzug, der vor allem männlichen Ingenieuren Wissen über Dinge vermittelt, die sie sonst nie erleben. „The Empacy Belly“, zu Deutsch ungefähr: der „Einfühl-Bauch“ verschafft seinen Trägern alle Bewegungsprobleme und Einschränkungen, mit denen Schwangere sich herumschlagen. So bekommt auch Mann einen Busen und merkt, wie beschwerlich das Autofahren mit Schwangerschaftsbauch ist. Ganz abgesehen von dem Druck, der auf innere und äußere Organe wie beispielsweise die Blase ausgeübt wird. Wer sich den Simulationsanzug umschnallt, wird auf einen Schlag 13,6 Kilogramm schwerer. Verursacher des Gewichtszuwachses sind so profane Dinge wie drei Eisenkugeln, ein Sandsack und eine Art Wärmflasche, deren Füllung mit heißem Wasser, außerdem einen Anstieg der Körpertemperatur simuliert.

Axel Keldenich arbeitet seit knapp drei Jahrzehnten als Journalist in der Autobranche. Nach Erfahrungen bei Tageszeitungen und in der Öffentlichkeitsarbeit eines großen Herstellers ist er seit einigen Jahren als freier Journalist und Autor für Tageszeitungen tätig.

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 Ein von Ford neu entwickelter Schwangerschaftsanzug macht den Träger auf einen Schlag um mehr als 13 Kilogramm schwerer.

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Der Trunkenheitsanzug soll besonders Jugendlichen vermitteln, welche Beeinträchtigungen beim Autofahren drohen, wenn man ein oder zwei (oder mehr) „Gläschen“ intus hat. (Alle Fotos: Axel Keldenich)