So schickten Autohersteller ihre (künftigen) Kunden in den April

Mainz, 02.04.2014 (kc). Ein bisschen ist es wie beim Eurovision Song Contest: Eine Stimmabgabe für sich selber kommt gar nicht gut an und ist deshalb nicht möglich. Wenn es nachfolgend meine ganz persönliche Top-Three der Auto-Aprilscherze dieses Jahres gibt, taucht deshalb der eigene zur „Anywhere“-Taste im Navi selbstverständlich nicht auf (es hat doch jeder erkannt, dass es sich um einen Aprilscherz handelt?!?). Nun denn:

Tea for the Mini Cooper T

Platz 3: BMW hat sich des Problems zur Neige gehender fossiler Brennstoffe angenommen. Herausgekommen ist die Idee, den britischen Kleinwagen Mini mit Tee statt mit Benzin betanken zu lassen. Natürlich lässt sich nicht jeder Mini mit dem alternativen Kraftstoff betreiben (bei einem Dieselmotor sorgt Benzin schließlich auch nicht für Vortrieb), es muss schon ein Sondermodell sein, Cooper T genannt, das es in den Farben „Chamomile Yellow“, „Red Bush“ und – natürlich – „Earl Grey“ geben soll. In der entsprechenden Pressemitteilung wird die Chefentwicklerin Ivanna Kuppa mit den Worten zitiert, dass der Cooper T mit einer Tasse Tee 60 Kilometer weit fährt.

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Zu schön, um wahr zu sein: Der Mini Cooper T kommt mit einer Tasse Tee als Treibstoff 60 Kilometer weit, behauptet der Hersteller. (Foto: BMW/Mini)

Begründung der Ein-Mann-Jury für Platz 3: Herrlich skurrile Idee, natürlich sofort als Aprilscherz entlarvbar, aber so köstlich wie eine Tasse Earl Grey. Einen Sonderpunkt gibt es für den Namen der Chefentwicklerin, den man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.

Mit Rasen im Auto rasen

Platz 2: Und noch ein Sondermodell. Opel kündigte am 1. April den Astra Copacabana zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien an. So weit, so normal, entsprechende Auto-Namenszusätze wird es vielleicht wirklich anlässlich des Turniers geben. Eher unwahrscheinlich ist aber, dass sich die Sonderausstattung tatsächlich in der Serie irgendeines Herstellers wiederfinden wird: Die Sitze sind mit echtem Rasen aus dem Maracanã-Stadion überzogen, die Füße ruhen auf original Copacabana-Sand und mit an Bord ist ein Caipirinha-Spender.

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„Echter Rasen aus dem Maracanã-Stadion“: Dieser Opel Astra als Sondermodell Copacabana wird wohl eine Eintagsfliege bleiben. (Foto: Opel)

Begründung der Ein-Mann-Jury für Platz 2: Wer sagt denn da, dass Deutsche keinen Humor hätten (auch wenn wohl die britische Opel-Schwester Vauxhall bei der Entwicklung dieses Aprilscherzes federführend war)? Witzig, vor allem, weil die Pressemitteilung absolut seriös daherkommt.

Wirklich nur ein Aprilscherz?

Platz 1: Sondermodell zum Dritten. Suzuki legt, so hieß es am 1. April, den Swift „Selfie“ auf. Der habe auf dem Rückspiegel eine hochwertige Kamera mit fünf Megapixel Auflösung installiert. Damit nicht genug. Die während der Fahrt geschossenen Selbstporträts könnten über das Navigationssystem direkt auf Facebook, Twitter und Co. veröffentlicht werden.

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Die Kamera über dem Rückspiegel erstellt während der Fahrt Selfies, behauptet Suzuki über sein Sondermodell „Swift Selfie“. (Foto: Suzuki)

Begründung der Ein-Mann-Jury für Platz 1: Ein Scherz der alten Schule – mit Ausnahme des Datums lässt nichts in der Pressemitteilung darauf schließen, dass Suzuki die Leser in den April schicken will. Sogar einen realistisch klingenden Verkaufspreis von 15999 Euro nennt das japanische Unternehmen. Vielleicht war das Ganze aber auch ein wirklich genialer Versuchsballon. Wenn sich am 1. April genügend Interessenten bei den Händlern gemeldet haben, geht der Suzuki Selfie vielleicht wirklich bald in Serie. Eine Kamera über dem Rückspiegel zu installieren, ist ja nun wahrlich kein Hexenwerk!

EXKLUSIV: Navi entscheidet über das Fahrtziel

San Jose, 01.04.2014 (kc). Das amerikanische Unternehmen NavJok beginnt heute mit dem Europa-Vertrieb eines, so Firmengründer und Geschäftsführer Joe King, „innovativen Addons für Navigationsgeräte“ mit Upgrade-Möglichkeit via WLAN, Bluetooth oder SD-Card.

Nach erfolgter Installation der NavJok-App „Anywhere“ erscheint im Zielführungsmenü die neue Option „Bring me anywhere“ (bring´ mich irgendwohin). Durch Aktivierung dieses Menüpunktes führt die Navigationssoftware den Fahrer zu einem zufällig ausgewählten Ziel aus dem Datenfundus.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass praktisch niemand das volle Potenzial moderner Navigationsgeräte ausnutzt“, erläutert King die Geschichte hinter der App-Entwicklung. Wenn es zum Beispiel darum gehe, eine Fahrt ins Grüne zu unternehmen, seien viele Menschen mit der Auswahl an Möglichkeiten überfordert. King: „Das endet dann damit, dass man zum 20. Mal den gleichen See oder das gleiche Naherholungsgebiet ansteuert, anstatt etwas Neues kennenzulernen.“

„Anywhere“ lässt sich für die individuellen Wünsche der Fahrer konfigurieren. So ist einstellbar, in welchem Umkreis vom Standort sich das Zufallsziel befindet und aus welchen Kategorien das Navigationssystem die Auswahl trifft. „Schließlich“, so schmunzelt der App-Entwickler, „mag es nicht jeder, wenn die Zufallsfahrt zu einer Autowerkstatt oder einer Apotheke führt.“

Joe King sieht als potenzielle Anwender des 19,99 Euro teuren Addons aber nicht nur unbedingt Autofahrer auf der Suche nach einem Ausflugsziel. Als zweiter Punkt, der nach Installation im Benutzermenü auftaucht, gibt es die Option „Get me out of here“ (bring´ mich hier weg). King: „Wer kennt das nicht. Nach einem Streit mit der Lebensgefährtin will man einfach nur noch woanders sein.“ Bei „Get me out of here“ wird nur die Wunschfahrtzeit (zwischen 30 Minuten und vier Stunden) eingegeben – und die Software beginnt die Navigation zu einem zufällig gesetzten GPS-Punkt. Das Ziel kann eine Straßenkreuzung ebenso sein wie eine Gaststätte. „Wichtig ist gerade bei „Get me out of here“ nicht das Ankommen, sondern das Wegkommen“, erläutert Joe King.

Ford-Anzüge machen schwanger, alt oder betrunken

Von Axel Keldenich

Aachen/Köln, 31.03.2014. In der „Kleiderkammer“ der Ford-Entwickler hängt seit Jüngstem ein völlig neuer Anzug. Dieser von Ford gemeinsam mit dem in Saarbrücken ansässigen Meyer-Hentschel Institut entwickelte „Drink-Driving-Suit“ komplettiert die speziellen Hilfsmittel der Ingenieure, mit deren Hilfe sie sich in die Sorgen und Probleme spezieller Kundenschichten einfühlen und deren Bedürfnissen entsprechen können. Darüber hinaus dient das neue Teil noch einem anderen Zweck. Es soll jungen Leuten die Gefahren des Autofahrens unter Alkoholeinwirkung verdeutlichen.  

Eine von Ford in Auftrag gegebene Studie ergab, dass mehr als die Hälfte aller jungen Autofahrer in Europa sich schon mindestens ein Mal unter Alkoholeinfluss hinter das Steuer gesetzt oder zumindest Freunde gesehen haben, die vor Fahrtantritt Alkohol konsumiert hatten. Unter dem Motto „Vorfahrt für Deine Zukunft“ führte Ford deshalb im vergangenen Jahr ein kostenloses Sicherheitsfahrtraining für junge Autofahrer ein.

Brille sorgt für Sehstörungen

Der Trunkenheitsanzug wird nun ein eindrucksvolles Mittel sein, um die Gefahren von Alkoholeinfluss deutlich zu machen. Gewichtsmanschetten und spezielle Polsterungen an Ellenbogen, Hals und Knien verlangsamen Reflexe und Reaktionszeiten der Probanden und machen ihnen selbst einfache Aufgaben wie etwa auf einer geraden Linie zu gehen spürbar schwieriger. Angefangen beim Anheben einer Tasse bis hin zum Wählen einer Telefonnummer vermittelt der Anzug einen absolut realistischen Eindruck davon, was alles beim Fahren unter übermäßigem Alkoholeinfluss passieren könnte. Eine entsprechende Brille sorgt für Sehstörungen, und Kopfhörer beeinträchtigen zudem das Gehör.

Bereits seit 1994 ist der Altersanzug bei Ford im Einsatz. Er wäre also in einem Privathaushalt längst ein Fall für die Altkleidersammlung. Nicht so bei den Fachleuten, die dieses wichtige Hilfsmittel gerade wieder einmal nach den jüngsten Erkenntnissen aus der Altersforschung perfektioniert haben. Dank integrierter Bandagen, Schweller oder Gummikissen vermittelt er hautnah alle kleinen und größeren Einschränkungen, die das Alter bringt. Dazu zählen nachlassende Hörfähigkeit, zunehmende Fuß-Hebeschwäche und generell nachlassende Muskelkraft. Zu den jüngsten technischen Hilfsmitteln gehört ein Tremor-Generator für die Hände, mit dessen Hilfe das Zittern beim Greifen in unterschiedlicher Stärke erzeugt wird. Außerdem können rund 40 Brillen die verschiedensten Sehstörungen simulieren.

Sozusagen einen Bügel nebenan hängt ein weiterer Anzug, der vor allem männlichen Ingenieuren Wissen über Dinge vermittelt, die sie sonst nie erleben. „The Empacy Belly“, zu Deutsch ungefähr: der „Einfühl-Bauch“ verschafft seinen Trägern alle Bewegungsprobleme und Einschränkungen, mit denen Schwangere sich herumschlagen. So bekommt auch Mann einen Busen und merkt, wie beschwerlich das Autofahren mit Schwangerschaftsbauch ist. Ganz abgesehen von dem Druck, der auf innere und äußere Organe wie beispielsweise die Blase ausgeübt wird. Wer sich den Simulationsanzug umschnallt, wird auf einen Schlag 13,6 Kilogramm schwerer. Verursacher des Gewichtszuwachses sind so profane Dinge wie drei Eisenkugeln, ein Sandsack und eine Art Wärmflasche, deren Füllung mit heißem Wasser, außerdem einen Anstieg der Körpertemperatur simuliert.

Axel Keldenich arbeitet seit knapp drei Jahrzehnten als Journalist in der Autobranche. Nach Erfahrungen bei Tageszeitungen und in der Öffentlichkeitsarbeit eines großen Herstellers ist er seit einigen Jahren als freier Journalist und Autor für Tageszeitungen tätig.

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 Ein von Ford neu entwickelter Schwangerschaftsanzug macht den Träger auf einen Schlag um mehr als 13 Kilogramm schwerer.

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Der Trunkenheitsanzug soll besonders Jugendlichen vermitteln, welche Beeinträchtigungen beim Autofahren drohen, wenn man ein oder zwei (oder mehr) „Gläschen“ intus hat. (Alle Fotos: Axel Keldenich)

Mit dem F-Type auf der Rennstrecke des Motorland Aragon

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Jetzt geht´s los: Vor der Rennstrecken-Fahrt mit dem F-Type Coupé. (Foto: Chowanetz)

Von Ken Chowanetz
28.03.2014 – Wenn man einen Film drehen will, der auf dem Mars (oder auf der Erde nach einer globalen Katastrophe) spielt, ist man in der spanischen Provinz Aragonien richtig. Bis zum Horizont stört oft über Kilometer kein Anzeichen von Zivilisation den Blick auf die karge, braune Landschaft. Aber mittendrin in diesem Nichts befindet sich dann plötzlich eine der modernsten und spannendsten Autorennstrecken Europas. Der Weg zur Haupteinfahrt zum Gelände führt vorbei an wahrscheinlich seit Don Quijotes Zeiten zerfallenen Häusern, vor die Optimisten „Se vende“/zu verkaufen-Schilder gehängt haben. Keine gute Idee allerdings, hier eine Würstchenbüde oder einen Getränkestand zu eröffnen: Der Veranstaltungskalender im „Motorland Aragon“ ist äußerst überschaubar.

Das aber heißt nicht, dass die Rennstrecke eine weitere dieser wahnsinnigen Investitionsruinen wäre, gefördert mit EU-Geldern. Angeblich ist die Ciudad del Motor de Aragón an 250 Tagen im Jahr von Herstellern gebucht, die hier ihre Auto- und Motorrad-Testfahrten veranstalten. Anwohner, die sich über den Lärm beklagen könnten, gibt es schließlich nicht.

Jetzt hat auch Jaguar die Rennstrecke für sich entdeckt. Bei der internationalen Pressepräsentation des F-Type-Coupé wollte das britische Traditionshaus (inzwischen in indischem Besitz) zeigen, dass die  geschlossene Variante des vielgelobten Roadsters eben mehr kann, als auf spanischen Landstraßen mit lächerlichen Tempolimits durch die Gegend zu juckeln.

Fahrten auf Rennstrecken gehören zwar nicht zum täglich Brot bei der Präsentation neuer Fahrzeuge, sie sind aber auch nicht absolut außergewöhnlich. Und dennoch wird die Berg- und Talfahrt auf der gut 5 km langen Strecke lange in Erinnerung bleiben. Jaguar nämlich setzte auf den Beifahrersitz einen professionellen Rennfahrer, der Runde für Runde aus dem nicht ganz so professionellen Fahrern das Letzte herausholte („Push, push, push“, „break“, „turn hard“, „push again“). Sinn der Aktion: Die „Indo-Briten“ wollten beweisen, dass das F-Type Coupé in der Topversion R (Preis: Mindestens 103.700 Euro, Basis-F-Type für 67.000 Euro) mehr noch als der vor einem Jahr vorgestellte Roadster geeignet ist, an die fahrphysikalischen Grenzen zu gehen, ohne dass sich der Fahrer dabei in Gefahr begibt.

Bei den ersten der acht Runden sind besagte fahrphysikalische Grenzen noch weit entfernt. Schließlich gilt es, sich erst einmal an die Eigenschaften des bildschönen Coupés mit der Monster-Motorisierung (V8 mit 550 PS und 680 Nm) zu gewöhnen. Bewundernswert, wie geduldig der Profi-Beifahrer bleibt, wenn das Einlenken nicht ganz so beherzt erfolgt wie möglich und der Tritt auf die Bremsen viel früher, als es eigentlich nötig gewesen wäre. Einzig auf der scheinbar endlos langen Geraden sind keine Anweisungen nötig. Hier drückt der Fuß das Gaspedal bis zur letzten Sekunde durch und lässt so das Auto fliegen (natürlich nur sprichwörtlich).

Mit jeder weiteren Runde wächst die Zuversicht, sowohl in das Auto als auch in die eigenen Fähigkeiten. Die Bremsanzeige leuchtet erst gelb, dann rot („That´s okay“, sagt der Beifahrer, dem Wagen seien leistungsfähigere Keramikbremsen verpasst worden, ohne die überwachende Elektronik entsprechend zu kalibrieren). In die „push, push“-Anweisungen des Instruktors mischt sich mehr und mehr Lob („beautiful“) – und am Ende des vorgesehenen Zyklus erfolgt die Frage: „Another Round?“ Eine Runde mehr? Von mir aus hätten es Dutzende sein können.

Einen ausführlichen Text zur Neuvorstellung des Jaguar F-Type Coupé findet sich am 29.03.2014 im MotorJournal der Rhein Main Presse (u.a. Allgemeine Zeitung Mainz und Wiesbadener Kurier) und des Gießener Anzeigers mit seinen Ausgaben.

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Impressionen von der Rennstrecke. (Fotos: Jaguar)