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Unterwegs mit dem neuen Porsche 911 Targa

Von Martin Schirling

Der Neid der Familie und von Freunden ist mir gewiss. Ich fliege für zwei Tage nach Apulien. Das ist da ganz im Süden Italiens, am Stiefelabsatz. Nicht zum Entspannen oder Golf spielen, es wartet harte Arbeit auf mich. Porsche präsentiert den neuen 911er Targa. Heißt, zwei Tage lang mit 400 PS unter dem Hintern und das Gesicht in der Sonne über enge Landstraßen blasen, abends gut essen und ansonsten Gott einen guten Mann sein lassen.

Warmer Empfang im Porsche-Zentrum in Bari, die Kollegen sind alles alte Hasen und kennen sich gefühlt, seitdem der Käfer zum ersten Mal über die Straßen rollte. Entsprechend abgeklärt ist die Truppe, Porsche kenne man halt, sei ja irgendwie immer gleich. Der Targa, ja toll. Fahrwerk habe man aber schon im Cabriolet begutachtet, den Motor im Coupé, genaugenommen interessiert beim Neuen nur die geniale Mechanik, die das Dach in 19 Sekunden aufklappen lässt. Und die ist wirklich sensationell. Aber eigentlich ist der ganze Porsche sensationell. Für mich zumindest. Zum einen wegen der unglaublich schönen Form, zum anderen wegen der Premiere. Ich bin nämlich noch nie einen gefahren. Aber das sage ich beim Termin nicht. Will ja nicht der Depp sein.

Mit Mega-Drehzahlen vom Hof

Und dann geht’s los. Die alten Hasen zeigen, wer den Dicksten hat. Kaum brummt der Motor, geht’s mit Mega-Drehzahlen und quietschenden Reifen vom Hof. Warmfahren? Noch nie gehört. Ist ja auch egal, das Auto gehört ihnen ja nicht. Ich lasse mir stattdessen erst mal vom Kollegen, einem ganz jungen und netten aus München, Porsche erklären. Ist aber im Prinzip auch nicht anders als andere Autos. Reinsetzen, anmachen, Fahrstufe der Automatik wählen und losfahren. Aber vorher per Knopfdruck das Dach öffnen, geht nur im Stand, wir wollen ja schließlich die Sonne Apuliens reinlassen. Läuft geschmeidig, selbst meine Oma könnte das Ding fahren. Wer sanft das Gaspedal streichelt, gleitet ohne Hektik dahin. Und erst mal die Optik, bewundernde Blicke, wo immer man lang fährt. Freundliches Winken am Straßenrand. Ehrlich. Der Italiener ist da ganz emotional, Sozialneid ist ihm fremd. Wenn er ein schönes Auto sieht, dann freut er sich darüber, dass es dieses schöne Auto gibt. Und den Fahrer freut es auch, dass andere sich freuen.

So langsam werde ich mit dem Auto vertraut. Es ist so gut, dass fast alles wie von selbst läuft. Allerlei elektronische Helferlein halten das Kraftpaket in der Spur, wie auf Schienen geht es um die Kurven. Ich gebe zu, so ein Porsche macht Mega-Spaß. Und dann lass ich mal die Sau raus. Kickdown, hinter meinem Rücken wird das Tier entfacht. Es brüllt und mein Puls steigt. Olala. Als leidenschaftlicher Motorradfahrer weiß ich, was Beschleunigung bedeutet, so ein Porsche geht wie die sprichwörtliche Sau. Unglaublich. Unglaublich gut. Bei 200 ist Feierabend, nicht vom Auto, aber von meiner Seite. 130 ist Maximum in Italien. Ich brauche meinen Führerschein noch. Wer es will und beherrscht, kann den Targa auf fast 300 Stundenkilometer treiben und die elektronischen Helfer weitgehend zurückfahren. Angeblich Fahrspaß pur für Männer. Ich lasse sie lieber an. Denn auch mit 100 über die Landstraße macht er Spaß, und ich will das über 100.000 Euro teure Auto ohne Schrammen und Kratzer wieder in Bari auf den Hof stellen.

Benzingespräche im Hotel

Am Abend im Hotel dann die Benzingespräche. Zufriedene Gesichter, tolles Auto. Ist aber 0,3 Sekunden langsamer auf 100 Stundekilometer als das Coupé. Ja, das merkt man, pflichte ich nickend bei. Machen schon echt was aus, die 0,3 Sekunden. Und er schiebt in schnelle Kurven etwas mehr über die Vorderräder als das Coupé, merkt der Kollege an. Ist mir gar nicht aufgefallen. Fand irgendwie, dass ich so schnell wie noch nie in meinem Autoleben um die Kurve gekommen bin. Wird aber wohl stimmen, ist ja ein Fachmann mit sicherlich viel mehr Erfahrung im Motorjournalismus. Ist mir aber auch egal. In der Nacht schlafe ich wie ein Baby und träume den Porsche-Traum. Wenigstens in diesen Stunden gehört er mir ganz alleine. Und ich muss ihn nicht zurückgeben. Ein schöner Traum.

Martin Schirling ist Regionalmanager beim Wiesbadener Kurier, einer Zeitung der Rhein Main Presse. Ein ausführlicher Fahrbericht zum 911 Targa findet sich in der Samstagausgabe (5. April) der Zeitungsgruppe.

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Geschätzt eine Million Euro an Autowert stehen in Form dieser acht Porsche 911 Targa zur Ausfahrt bereit (Bild links). Kleine Fotopause bei der Ausfahrt mit dem Targa. (Alle Fotos: Schirling)

 

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