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Warum geben eigentlich so wenige Fahrer Gas?

Wiesbaden/Maint, 01.0.6.2014 (kc). Wer sich vor zehn, 15 Jahren ein Fahrzeug mit Gasantrieb zulegte, wurde von Nachbarn, Freunden, Kollegen bestenfalls belächelt, schlimmstenfalls verspottet. Ein Tankstellennetz, das diesen Namen eigentlich nicht verdiente, Reichweiten, die beim Gasantrieb nicht einmal ansatzweise an die von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben herankamen und die anfänglichen Probleme mit den Motoren ließen eine Entscheidung für CNG (Compressed Natural Gas, Erdgas) oder LPG (Liquified Petroleum Gas, Flüssiggas) tatsächlich nicht von Anfang an sinnvoll erscheinen – von der geringen Auswahl verfügbarer Fahrzeugmodelle ganz zu schweigen.

Zeiten haben sich geändert

Doch die Zeiten haben sich geändert. Wer sich heute ein Gasfahrzeug zulegt, kann sich darauf verlassen, dass er auf eine ausgereifte Technik zurückgreift. Zudem gibt es für CNG-Autos inzwischen deutschlandweit 1.000 Tankmöglichkeiten, für LPG-Modelle gar 6.700. Während beim Flüssiggas eine Sättigung des Bedarfs erreicht zu sein scheint, ist die Zahl beim Erdgas zwar immer noch nicht sensationell hoch, aber aus einem einfachen Grund ausreichend: Wenn der Gastank leer ist, fahren CNG- und LPG-Wagen einfach mit Benzin aus einem zweiten Tank weiter. Dieser bivalente Antrieb nimmt die Angst, in, sagen wir: Mecklenburg-Vorpommern mit leerem Gastank liegenzubleiben. Um beim geografischen Beispiel zu bleiben: Längst kann man mit einem LPGler oder CNGler Mecklenburg-Vorpommern auch komplett durchqueren, ohne tanken zu müssen: Die Gas-Reichweite des neuen Škoda Octavia G-TEC (Vorstellung des Fahrzeugs am Samstag im MotorJournal der Rhein Main Presse) liegt bei 400 Kilometern.

Geringere Betriebskosten

Vordergründig der größte Vorteil der Gasfahrzeuge sind die Betriebskosten. Bis zu 50 Prozent lassen sich dank Steuerbegünstigung des Kraftstoffs pro Kilometer gegenüber einem reinen Benziner sparen. Das sticht nicht nur den in Deutschland beliebten Diesel aus, sondern auch die meisten Elektrofahrzeuge, wenn man deren extrem hohen Anschaffungspreis mit in die Rechnung einbezieht. Der Gas-Octavia hat im Vergleich zum Benziner einen Aufpreis, der dem eines Selbstzünders gegenüber einem Modell mit Ottomotor entspricht. Das preisliche Enfant Terrible der Branche, Dacia, bietet einige LPG-Modelle gar ohne Aufpreis gegenüber den Benzinern an.

Gerade einmal 600.000 Fahrzeuge

Angesichts der Vorteile des Gasantriebs, zu denen auch die schadstoffärmere Verbrennung des Kraftstoffs gehört, ist es erstaunlich, dass es nicht längst den großen Schwenk vom Benziner oder Diesel hin zu LPG oder CNG gegeben hat. Nicht ganz 100.000 Erdgas-Fahrzeuge gibt es in Deutschland, bei der Flüssiggas-Variante (die sich auch nachrüsten lässt) sind es mehr als 500.000. Angesichts von weit mehr als 43 Millionen Pkw in Deutschland werden kam mehr als ein Prozent aller Fahrzeuge mit Gas betrieben.

Skoda Octavia G-Tec 2014

Der Skoda Octavia G-TEC ist das neueste Modell in der wachsenden Gruppe der Erdgasfahrzeuge. (Foto: Skoda)